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Elbfähre Glückstadt-Wischhafen wird 100 Jahre alt

Am 24. März 2019 feiert die Elbfähre Glückstadt Wischhafen ihr 100jähriges bestehen.

 

Ein Anlass auf die Geschichte des Unternehmens zurückzublicken.

 

Die Geschichte der Elbefähren lässt sich bis in das Jahr 1622 zurückverfolgen.

 

Den zuerst eingesetzten Segelbooten (sogenannte Ewern) folgten ab 1868 die ersten Dampfschiffe. Ab 1900 begann die Glückstädter Dampfschiff AG mit einem regelmäßigen Verkehr über die Elbe.

 

Im Jahre 1919 gründeten die beiden Kapitäne Sturm und Jeß die Firma "Sturm und Jeß, Unterelbe-Fährbetrieb Glückstadt". Mit dem Ausscheiden von Kapitän Jeß aus der Gesellschaft wurde Ernst Sturm 1922 alleinige Eiger der Reederei.

 

Die heute dominierende Fahrzeugkapazität der Fähren spielte zu jener Zeit kaum eine Rolle. Die von Dietrich Maler ab 1929 eingesetzte Fähre KEHDINGEN konnte 2 PKW´s, die von Ernst Sturm 1938 in Fahrt gebrachte ELBMARSCHEN 6 PKW´s transportieren.

 

1928 bekam Ernst Sturm durch den Kapitän Ernst Wittorf einen Konkurrenten. Allerdings wurde im gleichen Jahr, auf Grund des Protestes von Ernst Sturm, die Genehmigung zum Fährbetrieb wieder entzogen. Aber schon 1929 gründete Wittorf zusammen mit Frank Schulz und Dietrich Maler eine neue Gesellschaft. Der heftige Konkurrenzkampf führt 1933 zum Konkurs dieser Fährgesellschaft. Dietrich Mahler  blieb der alleiniger Inhaber  der Fährgesellschaft, aus der er sich 1949 zurückzog. Für eine kurze Zeit übernahm daraufhin Kapitän Karl Schinkel den Fährbetrieb. 1951 übernahmen dann Wilhelm Krooß und Georg Harttermann das Unternehmen.

 

Im selben Jahr  wurde von ihnen die erste WISCHHAFEN, die erste Fähre mit Bug- und Heckrampe, in Dienst genommen. Bei einer Länge von 29 Metern und einer Breite von 9,60 Metern konnte bis zu 22 PKW´s an Bord nehmen. Die als Einschraubenschiff gebaute Fähre konnte aber im täglichen Einsatz nicht überzeugen, so dass schon 1952 die WISCHHAFEN (II) in Betrieb genommen wurde. Die in Abmessung und Kapazität identische Fähre war mit zwei Propellern für den Fährverkehr geeigneter.

 

Nach dem  Tod von Ernst Sturm übernahmen 1953 seine Tochter Gunhild Both und ihr Ehemann Kurt Both das Fährunternehmen.

 

Eine wesentliche Verbesserung konnte 1955 eingeführt werden. Die bisherige aufwendige seitliche Beladung der Fähren, in Wischhafen über einen Ponton, wurde durch ein neue Verladebrücke  beendet. Dieses ermöglichte von nun ab einen wirtschaftlicheren Fährbetrieb.

 

Die die beiden Unternehmen, Both, sowie Harttermann und Krooß, einigten sich auf eine gemeinsame Nutzung der neuen Verladebrücke. 1959 fusionierten die beiden bisherigen Fährbetriebe zur "Both, Harttermann, Krooß OHG".

 

Mit der 1954 in Dienst gestellten ERNST STURM kam das bis dahin modernste Fährschiff zum Einsatz. Diese Fähre bot bei einer Länge von 30,00 Metern und einer Breite von 9,80 Metern bis zu 20 PKW´s Platz.

 

Mit der Fusion 1959 wurde auch das Fährschiff "GLÜCKSTADT" in Dienst genommen. Das Design dieser Fähre war für alle nachfolgenden Schiffe ein Vorbild. 1962 folgte mit der "ELBE" ein Schwesterschiff. Die Schiffe konnte bis zu 30 PKW´s befördern.

 

Das wachsende Verkehrsaufkommen brachte die vier Fähren schon bald an ihre Grenzen. Eine der Maßnahmen war 1968 die Verlegung des Fähranlegers Wischhafen an seine heutige Stelle. Dieses verkürzte die Fahrstrecke um gut zwei Kilometer.

 

Auch wurde die Fähren GLÜCKSTADT und Elbe 1968/69  sowohl verlängert als auch verbreitert, so dass sie 40 PKW´s aufnehmen konnten.

 

Mit der WILHELM KROOSS wurde 1971 die bis dahin größte Fähre von der Elmshorner D. W. Kremer Werft abgeliefert. Das anhaltende Verkehrswachstum machte 1973 eine nochmalige Verlängerung der GLÜCKSTADT erforderlich. Auch die noch recht neue WILHELM KROOSS wurde 1977 entsprechend verlängert und ihre Kapazität auf 55 PKW´s erhöht.

 

Zwischenzeitlich wurden die in die Jahre gekommenen Fähren WISCHHAFEN (II) und ERNST STURM verkauft. Als Ersatz kam 1979 die neue und leistungsfähigere ERNST STURM (II) zur Flotte.

 

Um den wachsenden Anforderungen des Verkehrs gerecht zu werden, wurde 1981 auch auf der Glückstädter Seite ein neuer Fähranleger in Dienst genommen. Hierdurch konnte die Fahrstrecke noch einmal verkürzt werden und das bisher aufwendigere Anlegen im Glückstädter Hafen konnte entfallen.

 

1981 wurde das Unternehmen unter der Leitung von Gunhild Both in "Unterelbe-Fährbetrieb, Glückstadt GmbH & Co umbenannt. 1988 übernahm ihre Tochter Hildegard Both das Fährunternehmen.

 

1988 lieferte die J. J. Sietas Werft das neue Flaggschiff der Reederei mit den Traditionsnamen WISCHHAFEN ab und die wesentlich kleinere Fähre ELBE wurde verkauft.

 

Die GLÜCKSTADT wurde im Jahr 2000 noch einmal modernisiert und erhielt ein Bugstrahlruder, neue Maschinen und das alte Holzruderhaus wurde doch ein modernes ersetzt.

 

Mit nun 4 Fährschiffen unterschiedlicher Baujahre, aber nahezu gleicher Größe, wird zur Zeit die Fährverbindung Glückstadt - Wischhafen bedient.

 

Nachdem die Reederei nun  auf eine 100jährige Geschichte zurückblickt, stellt  u. a. der geplante Elbtunnel der A20 das Unternehmen vor  Herausforderungen. Aber auch das unklare "Hin" und "Her" bezüglich des Tunnels erschwert gegenwärtig notwendige Investitionen. So feiert die  Fähre GLÜCKSTADT dieses Jahr auch ein Jubiläum, ihr 60. Dienstjahr.

 

Auch sind Konkurrenten immer wieder mal bemüht die zwischen 1969 und 1981 verkehrende Verbindung zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven wieder aufleben zu lassen. Bisher sind aber alle Versuche gescheitert. Die "Elbe Ferry" von 1999 bis 2001 und die "Elbe Link" von 2015 bis 2017 mussten den Betrieb wieder einstellen. 2019 will die "Elbeferry GmbH" einen neuen Anlauf nehmen. Der Starttermin soll der 1. Mai werden. Dieses zeigt, dass die Gründer der Verbindung Glückstadt - Wischhafen die günstige Lage für eine Fährverbindung richtig erkannt hatten.

 

Die Chefin der Reederei will trotz einiger dunkler Wolken am Himmel für die Reederei und ihre 50 Mitarbeiter kämpfen und eine Zukunft gestalten.

Fährschiff WISCHHAFEN
Die 1988 in Dienst gestellt WISCHHAFEN
Die WILHELM KROOSS fährt seit 1971 für die Elbfähre
Die WILHELM KROOSS fährt seit 1971 für die Elbfähre
Fähranleger Glückstadt
Fähranleger Glückstadt
Die Fähre Elbe am Anleger im Glückstädter Hafen. Zeichnung K. H. Brüggmann
Die Fähre Elbe am Anleger im Glückstädter Hafen. Zeichnung K. H. Brüggmann
Fährschiff WISCHHAFEN (II) 1952, bei auslaufen aus Glückstadft. Zeichnung K. H. Brüggmann
Fährschiff WISCHHAFEN (II) 1952, bei auslaufen aus Glückstadft. Zeichnung K. H. Brüggmann
Die von Dietrich Maler ab eingesetzte Fähre KEHDINGEN, Zeichnung K. H. Brüggmann
Die von Kapitän Dietrich Maler ab 1929 eingesetzte Fähre KEHDINGEN, Zeichnung K. H. Brüggmann

Zeichnungen:

Atelier-Hanerau

Karl-Heinz Brüggmann

Elbefähre Fährschiff Ernst Sturm
Die 1979 in Dienst gestellt ERNST STURM
Die Fähre GLÜCKSTADT
Fähre GLÜCKSTADT seit 60 Jahren auf der Elbe
Fähranleger in Wischhafen
Fähranleger in Wischhafen
Die 1954 in Dienst gestellte 1. ERNST STURM, Zeichnung K. H. Brüggmann
Die 1954 in Dienst gestellte 1. ERNST STURM, Zeichnung K. H. Brüggmann
Die 1951 nur kurz in Dienst befindliche Fähre WISCHHAFEN (I). ZEICHNUNG K. H. Brüggmann
Die 1951 nur kurz in Dienst befindliche Fähre WISCHHAFEN (I). ZEICHNUNG K. H. Brüggmann
Die ab 1938 von Ernst Sturm eingesetzte Fähre ELBMARSCHEN. Zeichnung K. H. Brüggmann
Die ab 1938 von Ernst Sturm eingesetzte Fähre ELBMARSCHEN. Zeichnung K. H. Brüggmann

Christina Brüggmann

Stadtstr. 112

25348 Glückstadt

Tel.: 04124-89 029 41

EMail: info@schiffsfotos-cb.de

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